Zahlen und Fakten zum Verpackungsmüll

Alle Zahlen beziehen sich auf Deutschland.


Die Deutschen sind Müll-Europameister. Nirgends fällt in der EU pro Kopf mehr Verpackungsmüll an als in Deutschland. Im Jahr 2016 produzierten wir laut statistischem Bundesamt 220,5 Kilogramm Verpackungsmüll pro Kopf. Dazu zählen neben Plastik auch z.B. Aluminium, Papier und Glas. Der Verpackungsverbrauch in Deutschland liegt damit deutlich über dem europäischen Durchschnitt von 167,3 Kilo pro Kopf. (1) (2)

Tatsächlich wiederverwertet wird von all dem Müll nur ein Bruchteil. Denn selbst von dem Inhalt der gelben Säcke oder Tonnen landet fast die Hälfte in der Müllverbrennungsanlage. Und ein nicht geringer Teil landet achtlos weggeworfen in der Landschaft, gelangt über Flüsse in die Ozeane. Umweltschonender wäre es allemal, Müll gar nicht erst entstehen zu lassen. (3)

  • Magere Recyclingquote bei Kunststoffen

    Mehr als 70 Prozent des Verpackungsmülls wurden recycelt. Allerdings sind die Quoten ganz unterschiedlich: 85,5 Prozent bei Glas, 87,9 Prozent bei Alu, 88,7 Prozent bei Papier und Karton und sogar 92,1 Prozent bei Stahl, aber nur 49,7 Prozent bei Kunststoff und 26 Prozent bei Holz.

  • Problematische Verpackungen

    Ein Grund für die schlechte Recyclingquote ist die oft mangelnde Qualität der Plastikverbindungen. Anders als beim sortenreinen Glas und Papier schwankt die Qualität von Kunststoffen extrem. Besonders Mischkunststoffe wie Chipstüten oder Zahnpastatuben stellen Recyclingbetriebe vor große Herausforderungen. Sie bestehen aus verschiedenen Plastiksorten, die sich nur schwer und damit entsprechend teuer trennen lassen. So landen sie meist in den Müllverbrennungsanlagen.

    Ein Problem sind schwarze Kunststoffe z.B. bei Körperpflegeprodukten oder aus Fahrzeugen. Auch moderne Infrarot-Technik kann diese auf dem Laufband nicht erkennen. Ebenso scheitern die Sortieranlagen bei Joghurtbechern, die mit einem Aluminiumdeckel oder nicht-wasserlöslichen Etiketten versehen sind. Deshalb ist es wichtig, dass die Verbraucher die verschiedenen Kunststoffarten sauber voneinander trennen, bevor sie diese wegwerfen. Also sollte man z.B. den Deckel von Plastikbechern entfernen.

    Besonders schlimm sind Verbundverpackungen aus verschiedenen Materialien. Diese können häufig nicht ohne weiteres voneinander getrennt werden. Wenn z.B. eine Shampoo- oder eine Milch-Flasche aus PET komplett von einer dünnen bedruckten Folie umschlossen ist, mag das gut aussehen - erschwert oder verhindert aber oft das Recycling.

  • Täuschung des Verbrauchers

    Ein Beispiel, wie der Verbraucher sich von der Industrie für dumm verkaufen lässt, sind Einwegbecher aus Pappe. Diese sind besonders perfide, weil dem Verbraucher hier gegenüber Plastikbechern aus PP ein Fortschritt in Richtung Umweltfreundlichkeit suggeriert wird, es aber in Wirklichkeit ein gewaltiger Rückschritt ist. Die Pappbecher sind innen mit einem dünnen Kunststoff beschichtet und somit ein kaum recyclefähiges Verbundmaterial. Die bösen Plastikbecher lassen sich zumindet theoretisch recyclen, die angeblich umweltfreundlichen Pappbecher landen garantiert in der Verbrennung. (4)

  • Kampf um den Abfall

    Es gibt noch einen weiteren entscheidenden Grund, warum Plastik oft nicht recycelt wird: der harte Wettkampf zwischen der Recycling-Branche und den rund 70 deutschen Müllverbrennungsanlagen. Beim Kampf ums Plastik haben die Verbrennungsanlagen häufig die Nase vorne. Denn zum Verfeuern eignet sich Plastik aufgrund seines Erdölanteils besonders gut. Das Aufbereiten von Plastik ist hingegen teuer. Darum wird meist gerade nur so viel recyclet, wie es der Gesetzgeber vorschreibt (bisher 36 Prozent). (5)

1 - Die "Zeit" im Juli 2018
2 - Deutsche Welle am 26.11.2018
3 - "Geo" am 20.12.2016
4 - Deutschlandfunk am 17.03.2016
5 - "SZ" am 10.09.2014

Stand: 11.09.2019 zum Seitenanfang zur vorherigen Seite zur nächsten Seite zur p.i.c.s.-Startseite eMail an Simon Reinhardt senden Copyright © 2019 Simon Reinhardt